Vollendoskopische Operation des lumbalen Bandscheibenvorfalls (vollendoskopische Diskektomie)
Autor: Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für NeurochirurgieZuletzt aktualisiert:
Bei der vollendoskopischen Bandscheibenoperation wird der Vorfall mit einer Kamera über einen einzigen etwa 0,8 cm großen Zugang erreicht. Bei geeigneter Patientenauswahl ist sie ebenso erfolgreich wie die Mikrodiskektomie; der Blutverlust ist geringer, der Krankenhausaufenthalt kürzer und die Patienten stehen früher auf. Nicht jeder lumbale Bandscheibenvorfall eignet sich dafür.
Deutsche Übersetzung des Videotranskripts (Ton auf Türkisch)
Hallo zusammen, ich bin Dr. Mehmet Levent Deniz, Facharzt für Gehirn-, Nerven- und Wirbelsäulenchirurgie. Ich möchte Ihnen die vollendoskopische Operation erläutern, die ich bei Lendenbandscheibenvorfällen anwende.
Die vollendoskopische Bandscheibenoperation, die in den letzten Jahren weltweit an Beliebtheit gewinnt und dem Patienten großen Komfort bietet, ist die neueste technologische Entwicklung in der Bandscheibenchirurgie. Der Eingriff erfolgt ausschließlich unter örtlicher Betäubung und mit dem Endoskop. Ohne Muskeln zu durchtrennen oder Knochen und Bänder zu berühren, wird das zu entfernende Bandscheibengewebe erreicht. Das Vorfallgewebe wird entfernt und der eingeengte Nerv entlastet.
Im Vergleich zur klassischen Mikrodiskektomie ist bei dieser Methode kein stationärer Aufenthalt nötig; die Patienten können am selben Tag entlassen werden. Da das anatomische Gewebe kaum verletzt wird, erfolgt die Rückkehr zum aktiven Leben deutlich schneller.
Ich wünsche Ihnen allen schmerzfreie und glückliche Tage. Bleiben Sie gesund.
Was ist eine vollendoskopische Bandscheibenoperation?
Bei dieser Operation wird das vorgefallene Bandscheibengewebe mit einer Kamera über einen einzigen etwa 0,8 cm großen Zugang erreicht. Sie wird auch endoskopische Diskektomie genannt und ist eine Behandlung des lumbalen Bandscheibenvorfalls bei Patienten, die auf nichtoperative Methoden nicht ansprechen.
Gewebeschonung: Da Muskeln und Knochen weniger beeinträchtigt werden, ist der Blutverlust geringer, eine frühe Mobilisation wird ermöglicht und der Krankenhausaufenthalt kürzer [1]. Die meisten unserer Patienten kehren nach etwa zwei Wochen zur Arbeit und in den Alltag zurück.
Wie wird die vollendoskopische Bandscheibenoperation durchgeführt?
Sie erfolgt über einen einzigen kleinen Zugang mit einem Endoskop unter örtlicher Betäubung und Sedierung.
- Anästhesie: Lokale Betäubung und Sedierung; eine Vollnarkose ist nicht nötig.
- Chirurgischer Zugang: Ein einzelner etwa 0,8 cm großer Zugang führt zum Operationsgebiet.
- Schritte: Ohne Durchtrennung der Muskeln und mit möglichst geringer Berührung von Knochen und Bändern wird der Vorfall mit dem Endoskop erreicht. Über einen seitlichen (transforaminalen) Zugang wird das vorgefallene Gewebe entfernt und der eingeengte Nerv entlastet.
- Operationsdauer: Etwa 40–60 Minuten.
- Krankenhausaufenthalt: Entlassung meist am selben Tag oder innerhalb von 24 Stunden.
- Aufstehen: Die Patienten beginnen 2–3 Stunden nach dem Eingriff zu gehen.
Für welche Bandscheibenvorfälle und Patienten eignet sich die vollendoskopische Operation?
Nicht jeder Patient eignet sich für endoskopische Chirurgie. Der Einsatzbereich ist enger als bei der Mikrodiskektomie. Die Eignung hängt von den anatomischen Eigenschaften des Vorfalls ab. Wie weit sich das Fragment vom Bandscheibenraum entfernt hat (Migrationsgrad), beeinflusst die Durchführbarkeit unmittelbar. Verkalkte (kalzifizierte) Bandscheibenvorfälle, eine begleitende schwere Spinalkanalstenose oder Wirbelsäuleninstabilität begrenzen den endoskopischen Zugang.
Wie hoch ist die Erfolgsquote der vollendoskopischen Bandscheibenoperation?
Bei geeigneten Patienten ist sie ein modernes minimalinvasives Verfahren mit ebenso hohem Erfolg wie die Mikrodiskektomie. Nach 12 Monaten betrug der Beinschmerz auf einer Skala von 100 in der vollendoskopischen Gruppe 7, nach Mikrodiskektomie 16; die erneute Operationsrate innerhalb eines Jahres betrug 5 % gegenüber 6 %. Der Blutverlust war geringer, der Aufenthalt kürzer und die Mobilisation früher, die Unterschiede waren jedoch klein [1]. Eine zusammenfassende Analyse fand nach 3–12 Monaten ebenfalls keinen Unterschied bei Beinschmerzen und Alltagsfunktionen [2]. Im Vergleich mit einer anderen minimalinvasiven Methode (mikroendoskopische Diskektomie) waren nach fünf Jahren Ergebnisse und Zahl der Rezidive in beiden Gruppen gleich [3].
Welche Risiken und Nebenwirkungen hat die vollendoskopische Bandscheibenoperation?
Die Risikoraten sind niedrig: Für die endoskopische Methode wurden Duraläsionen in 1,1 %, Wundprobleme in 2 %, erneute Vorfälle in 3,5 % und erneute Operationen in 4 % berichtet; diese Raten liegen unter denen der Mikrodiskektomie [4]. Nervenwurzelverletzungen (1,2 %) und neurologische Ereignisse mit Veränderungen von Empfindung oder Kraft (4,9 %) lagen in derselben Übersicht dagegen etwas höher [4].
🩺 Ärztliche Einblicke & klinische Erfahrung
„Bei der Beurteilung einer vollendoskopischen Operation ist für mich nicht der kleinere Schnitt entscheidend, sondern ob die Anatomie wirklich geeignet ist. Im MRT werden Höhe und Position des Vorfalls im Kanal, Migrationsgrad, Struktur des Nervenaustrittslochs (Foramen) und begleitende Spinalkanalstenose gemeinsam beurteilt. Bei ungeeigneter Anatomie allein wegen des kleineren Schnitts endoskopisch vorzugehen, wäre falsch. Für manche Patienten kann deshalb der mikrochirurgische Zugang sicherer und besser vorhersehbar sein.“
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine vollendoskopische Bandscheibenoperation und wie erfolgt sie?
Eine Operation, bei der der Vorfall mit einer Kamera (Endoskop) über einen einzigen etwa 0,8 cm großen Zugang erreicht wird.
Wie hoch ist die Erfolgsquote?
Bei geeigneten Patienten entspricht sie der Mikrodiskektomie: Nach 12 Monaten betrug der Beinschmerz auf einer Skala von 100 in der endoskopischen Gruppe 7, nach Mikrodiskektomie 16 [1]. Auch die Langzeitergebnisse sind gut [3].
Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?
Ja, jedoch geringe: Duraläsionen wurden in 1,1 %, Nervenwurzelverletzungen in 1,2 % und Rezidive in 3,5 % berichtet [4].
Was ist der Unterschied zur Mikrochirurgie?
Der Schnitt beträgt bei der Mikrochirurgie etwa 2–3 cm, bei der Endoskopie weniger als 1 cm. Während mikrochirurgisch Gewebe in geringem Umfang abgelöst wird, ist der Eingriff in diese Gewebe endoskopisch noch begrenzter.
Wird genäht?
Meist wird nur ein einzelner Stich gesetzt oder die Wunde lediglich mit einem Pflasterstreifen verschlossen; eine auffällige Narbe bleibt nicht.
Können extrudierte oder in den Wirbelkanal verlagerte Vorfälle endoskopisch entfernt werden?
Viele ja: Ist das extrudierte oder abgelöste (sequestrierte) Fragment nicht zu weit im Kanal gewandert, kann es transforaminal (seitlich) entfernt werden. Entscheidend sind Richtung und Entfernung der Wanderung sowie die betroffene Höhe.
Wie lange dauert eine vollendoskopische Bandscheibenoperation?
Der Eingriff dauert etwa 40–60 Minuten.
Wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben?
Nach endoskopischer Chirurgie erfolgt die Entlassung meist am selben Tag oder innerhalb von 24 Stunden.
Ist die Operation ohne Vollnarkose möglich?
Ja. Die Operation wird unter örtlicher Betäubung und Sedierung durchgeführt; eine Vollnarkose ist nicht erforderlich.
Wann kann ich gehen und duschen?
Das Gehen beginnt 2–3 Stunden nach der Operation. Mit speziellen wasserfesten Pflastern können unsere Patienten ab dem 2. Tag duschen.
Wann kann ich nach der vollendoskopischen Operation wieder arbeiten?
Die meisten Patienten kehren innerhalb von etwa zwei Wochen zur Arbeit und in den Alltag zurück.
Wann kann ich wieder Sport treiben?
Zu leichtem Sport kehrt man meist nach 2–4 Wochen, zu intensivem Sport nach dem 2. Monat zurück.
Welcher Facharzt operiert vollendoskopisch in Istanbul?
Zu den Ärzten, die die vollendoskopische Bandscheibenoperation in Istanbul durchführen, gehört Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für Neurochirurgie.
Was kostet die Operation?
Die Kosten variieren je nach Patient und Krankenhausbedingungen; ein genauer Preis kann erst nach Untersuchung und Beurteilung der Bildgebung festgelegt werden.
Literatur / References
- Gadjradj PS, Rubinstein SM, Peul WC, et al. Full endoscopic versus open discectomy for sciatica: randomised controlled non-inferiority trial. BMJ. 2022;376:e065846. PMID: 35190388. PubMed
- Gadjradj PS, Harhangi BS, Amelink J, et al. Percutaneous Transforaminal Endoscopic Discectomy Versus Open Microdiscectomy for Lumbar Disc Herniation: A Systematic Review and Meta-analysis. Spine (Phila Pa 1976). 2021;46(8):538-549. PMID: 33290374. PubMed
- Chen Z, Zhang L, Dong J, et al. Percutaneous Transforaminal Endoscopic Discectomy Versus Microendoscopic Discectomy for Lumbar Disk Herniation: Five-year Results of a Randomized Controlled Trial. Spine (Phila Pa 1976). 2023;48(2):79-88. PMID: 36083850. PubMed
- Bombieri FF, Shafafy R, Elsayed S. Complications associated with lumbar discectomy surgical techniques: a systematic review. J Spine Surg. 2022;8(3):377-389. PMID: 36285095. PubMed
- 👨⚕️ Autor und medizinischer Prüfer dieses Inhalts: Op. Dr. M. Levent Deniz – Facharzt für Neurochirurgie
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